Kommentar: Computerspiele – verehrt und angespien

Bei den Kollegen von spieletipps.de bin ich über einen Artikel und dadurch über die Berichterstattung der ARD zum Deutschen Computerspielpreis 2015 gestolpert, was mich dann letztlich zu diesem Kommentar hingerissen hat. Denn der Beitrag aus der Tagesschau zeigt, dass Computerspiele noch längst nicht in der Gesellschaft angekommen sind und von Vielen scheinbar immer noch als eine Art seltsame Randerscheinung angesehen werden.

Lords of the Fallen

Lords of the Fallen – Gewinner beim Deutschen Computerspielpreis 2015. (Bild: Lords of the Fallen / Deck 13)

Als Ballerspiel oder Killerspiel bezeichnet die ARD Lords of the Fallen schon in einem der ersten Sätze. Und da geht’s schon los, denn hätte man richtig recherchiert oder einfach mal jemanden gefragt, der sich damit auskennt, dann hätte man feststellen müssen, dass in dem Action-Rollenspiel gar nicht geschossen wird.

Grandiose Leistung – Grafik, Story, Phantasie

Ja, es gibt Waffen: Schwerter, Hämmer etc. Und ja, es geht durchaus martialisch zu. Und ja, es gibt Monster, die ziemlich böse aussehen. Aber hat sich mal jemand bei der Tagesschau die Mühe gemacht, sich die Grafik von Lords of the Fallen genauer anzusehen? Die finde ich nämlich ziemlich beeindruckend, im Video weiter unten könnt ihr euch selbst ein Bild davon machen. Und hat sich von den Redakteuren mal einer die Charaktererstellung und die daraus resultierenden unterschiedlichen Spielweisen zu Gemüte geführt? Auch das ist nicht nur eine tolle Leistung von den Entwicklern, sondern macht ein solches Spiel in meinen Augen auch aus.

Skyrim - offene Spielwelt

In Skyrim hat der Spieler eine riesige, offene Spielwelt, die er frei erkunden kann. (Bild: Screenshot Skyrim)

Denn je nachdem, wie ich am Anfang des Spiels meinen Charakter erstelle, welche Fähigkeiten, welche Spezialisierungen etc. er bekommt, verläuft das Spiel und der Charakter ist meiner eigenen Spielweise angepasst. Zusammen mit der großartigen Grafik und einer guten Story ist das schon eine Leistung, und die wird – nicht nur bei Lords of the Fallen, sondern bei Computerspielen ganz allgemein – immer noch stark unterschätzt.

Computerspiele sind sehr wohl ein Kulturgut

Das ist wirklich schade, denn Computerspiele sind in meinen Augen nicht weniger Kulturgut als Bücher auch – und das sage ich als Leseratte. (Damit meine ich jetzt nicht irgendwelche Schundromane, die sicherlich auch ihre Berechtigung haben, sondern ich spreche schon von etwas anspruchsvollerer Literatur.) Es gehört eine unglaubliche Phantasie dazu, sich ein Game wie Lords of the Fallen oder auch Dark Souls 2, das ja mit dem Publikumspreis bedacht wurde, auszudenken und bis ins kleinste Details alles auszuklügeln und auszufeilen.

Gamer sind soziale Menschen

Und die Vorstellung, dass Gamer menschenscheue oder gar asoziale Nerds sind ist auch eine Fehleinschätzung, wie es selten welche gab. Ja, ich spiele total gern und ich mag sogar Singleplayer-Spiele mehr als Multiplayer. Aber ich bin auch ein total geselliger Typ, der gerne unter anderen Menschen ist, sich gerne unterhält, in einem Verein aktiv ist und auch sonst so gar nicht dem Bild vom blassen, dürren, begrillten Nerd entspricht. Die meisten anderen Gamer, die ich kenne, sind da übrigens recht ähnlich gestrickt.

Computerspiele: Pädagogisch wertvoll!

Mal ganz abgesehen von all dem, ich halte Computerspiele darüber hinaus sogar noch für pädagogisch wertvoll. Natürlich sollte man sein Kind nicht wahllos alles zocken lassen, was es will oder was es gibt, das wäre Schwachsinn. Aber dafür gibt’s ja auch die Altersbeschränkungen bei Spielen. Und es gibt genug Games für Kinder und Jugendliche bzw. welche, die auch für Jüngere geeignet sind. Außerdem kann man mit Hilfe von Computerspielen auch ganz spielerisch lernen, das macht dann auf einmal sogar Spaß.

Computerspiele: Fördern die Geduld, das Denken und wie man an Probleme herangeht

Ich steh ja unter anderem total auf die Elder Scrolls-Reihe und ähnliche Rollenspiele. Und da gefällt es mir eben besonders gut, dass es immer wieder Aufgaben zu lösen gibt, die ganz schön knifflig sind, die meine Geduld fördern, mein Hirn anstrengen und mich dazu zwingen, richtig nachzudenken, um die Lösung für ein Problem zu finden. Mein 10-jähriges Kind würde ich da vielleicht noch nicht ranlassen, mein 15-jähriges hingegen schon – allein weil ich glaube, dass man so spielerisch einiges lernen kann. Unter anderem, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Denn in Rollenspielen ist es oft so, dass man für „böse“ Handlungen entsprechend bestraft wird, sich den Weg verbaut, dass man sich mit anderen gut stellen muss, wenn sie einem helfen sollen und so weiter. Außerdem sind da wie gesagt die Rätsel und „Probleme“, die es zu lösen gilt und die dem jugendlichen Hirn mit Sicherheit auch nicht schaden.

Übrigens können auch die Öffentlich-Rechtlichen anders als die Tagesschau vom 21.04., wie diese nette Doku des WDR von der gamescom 2012 zeigt:

 

Wichtiger Faktor: Erziehung

Für mich ist es nicht das Computerspiel an sich, das schlecht ist. Sondern es hat ganz viel damit zu tun, wie im Elternhaus damit umgegangen wird. Ob man Kindern bestimmte Dinge erklärt, ihnen den Unterschied zwischen Spiel und Realität klar macht, den Unterschied zwischen Gut und Böse. Es geht um den verantwortungsvollen Umgang, dann gehen für mich auch die sogenannten „Ballerspiele“ in Ordnung, auch wenn ich weder diese Spiele an sich noch das Wort Ballerspiele sonderlich mag. Ob ein Computerspiel also gut oder böse ist, das liegt zum großen Teil an den Eltern und damit, wie sie ihren Kindern Spiele erklären, sie erziehen, nicht am Spiel, nicht an den Entwicklern, nicht an den Gamern.

Meine Wünsche für die Spiele-Zukunft

Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass Computerspiele weiter aus der Schmuddelecke rauskommen, dass man offen dazu stehen kann, dass man gerne mal zockt und offen seine Begeisterung für Games zeigen kann, ohne dafür schief angeschaut zu werden. Und dass es bald auch mehr deutsche Entwickler-Studios wie Deck 13 oder Daedalic gibt. Außerdem würde ich mir wünschen, dass vor allem im Bereich Lernspiele sich in den nächsten Jahren noch einiges tut. Man könnte das alles so toll verpacken und plötzlich macht das Lernen Spaß, es geht spielerisch und ist spannend.

Wie steht ihr denn zu Computerspielen? Habt ihr selbst schon gespielt und wenn ja, was? Und wenn nicht, würdet ihr gerne mal?

Quellen: lordsofthefallen.com, spieletipps.de,


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